Usability

Wie Benutzer Programme sehen

Kürzlich wurde mir jenes Bild zugespielt:

Wie Benutzer Programme sehen

Im Grunde fasst es das Grundproblem gut zusammen. Benutzer und Entwickler denken auf sehr unterschiedlichen Abstraktionsebenen. Für einen Entwickler ist die Benutzeroberfläche lediglich „eine weitere Schale“ um den Kern herum und das meiste komische Verhalten in selbiger kann er problemlos anhand anderer Teile des Systems erklären. Für den Benutzer allerdings ist die Benutzeroberfläche das Programm. Und er wird sich nicht die Mühe machen, viel mehr als das zu durchschauen und zu begreifen. Für alle praktischen Belange ist der Rest, also, wie ein Programm eigentlich funktioniert, tatsächlich Magie.

Nun ist obiges Bild leider etwas klein und ich fand weder den Originalautor noch eine hoch aufgelöste Version. Also habe ich mich mal hingesetzt und eine Vektorgrafik auf der Basis erstellt, die hier angehängt ist. Tatsächlich sind es sogar zwei geworden: Einmal weiß auf schwarz und einmal schwarz auf weiß, was sich wohl etwas tonersparender drucken lassen sollte.

Wie Benutzer Programme sehen – weiß auf schwarz Wie Benutzer Programme sehen – schwarz auf weiß

Die Schrift, die in den Grafiken verwendet wurde, ist die freie (und hübsche) Fontin.

Ich habe auch die Ausgangsdateien von Expression Design angehängt. Vielleicht mag jemand ja die „Quell“dateien haben. Sowohl die Design- als auch die PDF-Dateien veröffentliche ich hiermit gemeinfrei.

Angehängt sind hier sowohl die deutschen als auch die englischen Varianten.

Juhu, ein HCI-Webcomic

Ich bin gerade über OK/Cancel gestolpert, ein Webcomic über HCI, Usability, etc.

Sieht sehr lesenswert aus bisher, insbesondere da zu jedem Comic ein längerer erklärender Text zur Seite steht. Das dürfte auch Leuten helfen, die sonst kaum Notwendigkeit für vernünftige Benutzeroberflächen und Forschung in der Richtung sehen, sich in die Problematik hineinzufinden.

Usability mit der Taskleiste auf der linken Bildschirmseite

Die Taskleiste liegt üblicherweise (zumindest für 98,4 % der Benutzer) am unteren Rand des Bildschirms. Nun werden Bildschirme im Breitbildformat (16∶10 zumeist) immer häufiger (und ich habe oft ohnehin so viele Fenster offen, daß der Fenstertitel in der Taskleiste auf wenige Buchstaben reduziert wird), daß es verlockend scheint, die Taskleiste einfach an den linken oder rechten Rand zu kleben. Das hat den Vorteil, daß man mehr vom Fenstertitel sieht, gerade wenn viele Fenster offen sind. Und zumindest für mich bringt ein Bildschirm in dem Format auch nicht so unglaublich viel, da das meiste, was ich mache (Webseiten lesen oder Code schreiben) eher vertikale Aktivitäten sind und nicht ganz so viel Platz in horizontaler Richtung benötigen. Zugegeben, in Eclipse oder Visual Studio ist mehr Platz immer gut, aber ich nehme lieber mehr Gesamtauflösung anstelle von mehr horizontaler Auflösung.

In der Taskleiste werden nun Tooltips angezeigt, wenn der Fenstertitel nicht komplett auf die Schaltfläche paßt:

Ein Tooltip für einen Fenstertitel, der nicht auf die Schaltfläche paßt

Gleiches passiert auch bei einer vertikalen Taskleiste:

Ein Tooltip für einen Fenstertitel, der nicht auf die Schaltfläche einer vertikalen Taskleiste paßt

Nun ergibt sich hier ein Problem. Der Tooltip bei der horizontalen Taskleiste wird nie wirklich im Weg sein. Am unteren Rand von Fenstern befindet sich meist allenfalls eine Statusleiste aber nichts wirklich Wichtiges. Der Tooltip einer vertikalen Taskleiste hingegen erscheint an einer Position und Höhe, wo im Normalfall keine Statusinformationen eines Programms sind, sondern Inhalt, den man erfassen möchte.

Ein Tooltip überlagert den Inhalt des Fensters, welches gerade vom minimierten Zustand wiederhergestellt wurde

Das ist besonders nervig, wenn man ein Fenster wiederherstellt, welches vorher maximiert war. Der Fensterinhalt fängt also gleich neben der Taskleiste an und der Tooltip erscheint ungefähr zu dem Zeitpunkt wo das Fenster fertig gezeichnet wurde und man gerade anfangen könnte, darin etwas zu suchen.

Webseiten zumindest werden üblicherweise in einem F-Muster abgesucht. Daher ist bei vielen Websites die Navigation auf der linken Seite. Bei normalen Programmen ist dies zuweilen auch zu beobachten: Die Liste der Mailordner in meinem E-Mail-Programm ist links und üblicherweise ist es genau diese, die mich interessiert, wenn ich das Programm wiederherstelle, da dort hervorgehoben wird, wo ich neue Mails habe. Da ist ein Tooltip, der mir bis zu zwei Order verdeckt, nervig, da es zum Einen meine Aufmerksamkeit ablenkt und zum Anderen brauche ich einen Moment, um das Ding wieder loszuwerden. Das mag nicht nach allzu viel verlorener Zeit klingen, ist es wohl auch nicht, aber wenn man das zum wiederholten Male am Tag bewußt feststellt, ist es schon unschön.

Wahrscheinlich wird das sogar noch schlimmer, wenn man Aero aktiviert, da dort der Tooltip erst auftaucht, nachdem schon eine Miniaturansicht des Fensters gezeigt wurde. Und diese verdeckt im Normalfall sogar noch mehr.

Vielleicht wäre es auch besser, die Taskleiste an den rechten Bildschirmrand zu verlegen, da dort selten Informationen sind, die man sofort nach dem Wiederherstellen eines Fensters sucht (zumindest nehme ich das an und mir fällt momentan auch kein Gegenbeispiel ein).

UPDATE (2008–11–08 13:55): Ist Aero aktiviert, ist die Situation eher besser, denn schlimmer, die Miniaturansicht taucht gar nicht erst auf, wenn man ein Fenster wiederherstellt und der Tooltip wartet nach dem Klick noch mal die normale Zeit, ehe er erscheint (dann allerdings witzigerweise unter der Taskleiste).

Feldfunktionen in Word finden – und Seitenzahlen umgekehren

elliotth's blog hat einige recht interessante Artikel und ich hab ein paar alte mal überflogen und stieß auf Humans pay for context switches too. In gewissem Sinne scheint es sinnvoll, Seiten rückwärts zu numerieren, auch wenn es für die meisten Menschen wohl etwas seltsam anmutet.

Ich fragte mich allerdings, ob man das in Word mit Bordmitteln hinbekommt. Seitenzahlen sind ja letztendlich nur Feldfunktionen und mit denen kann man allen möglichen lustigen Kram machen. Also schaute ich mich mal ein wenig um. Es gab nur ein Problem: Ich habe nicht gefunden, wo man eine Feldfunktion einfügt. Und das in dem tollen neuen Office 2007, wo alles wunderschön organisiert ist, ohne überfüllte Menüs und mehrfach verschachtelte Dialoge (nun ja, zumindest die Dialoge sind immer noch da, nur für die meiste Zeit eher versteckt). Das wäre nun das erste Mal, seit ich Office 2007 benutze (März 2007), daß ich etwas nicht auf Anhieb gefunden habe.

Mal schauen, warum: Das Ribbon hat einen Tab namens „Einfügen“ (der im Grunde für alles da ist, was Einfügen bedarf, außer Zitate und ähnliches, die sich unter „Verweise“ finden [was im Englischen wesentlich sinnvoller benannt ist]) mit folgenden Abschnitten:

Seiten Tabellen Illustrationen Hyperlinks Kopf- und Fußzeile Text Symbole

Von diesen Abschnitten sind Seiten, Tabellen, Illustrationen und Symbole von vornherein Unfug zum Suchen, also habe ich sie gleich übersprungen. Kopf- und Fußzeile hätte was haben können, da Dokument- und Abschnittstitel (die man häufig in der Kopfzeile findet) sowie Seitenzahlen (die man häufig in der Fußzeile findet) ja Feldfunktionen sind, aber auch dort nichts. Hyperlinks: Auch Fehlanzeige. Was Text übrigläßt. Wo ich nicht auf die Idee kam, in die „Schnellbausteine“ zu schauen, die nicht nur (wie erwartet) die Felder Dokumenttitel, Abschnittstitel, Autor, Datum, etc. enthält, sondern auch allgemein einfach Feldfunktionen:

Menüeintrag für Felder in Word 2007

Das fand ich etwa eine halbe Minute bevor ich diesen Eintrag schrieb … aber eine halbe Stunde nachdem ich es gesucht habe …

Lustigerweise fand ich es sofort in Word 2003:

Menüeintrag für Felder in Word 2003

Was Seitenzahlen rückwärts angeht, folgendes läßt sie abwärts zählen: {= {NumPages} – {Page} + 1}. Die geschweiften Klammern müssen allerdings mit Strg+F9 eingegeben werden, da es eine Feldfunktion ist.

ellioth: Desktop Linux Suckage

Ich stieß heute auf eine recht interessante Reihe von Artikeln (über Linux Hater's Blog): Desktop Linux Suckage auf Elliot Hughes' Blog.

Ich bin nun etwa zur Hälfte durch und es liest sich angenehm. Nicht so beleidigend wie Linux hater (obwohl ich mich daran nicht so sehr störe, andere allerdings schon).

Ich bin aber immer noch Windows-Nutzer und das wird auch erstmal so bleiben, aber einige Dinge, die er anspricht sind nicht nur auf Linux und Software dort anwendbar.

Nervigkeiten bei Winamp

Nachdem ich gestern auf meinem anderen Rechner wieder ein System aufgesetzt habe, habe ich mich dazu entschieden, mal wieder Winamp als Audio-Player zu verwenden. Ich hatte ihn zu meinen Windows-2000-Zeiten benutzt, bin allerdings nach dem Umstieg auf Windows Vista zum Windows Media Player gewechselt. Ich mochte die Medienbibliothek mit den Albencovern und daß ich nicht länger alle Dateien im Dateisystem in Ordnung halten mußte. Aber WMP war etwas langsam auf meinem schon leicht angegrauten Pentium 4 mit 2.53 GHz.

Also Winamp. Auf einem Windows Vista. Der erste Start zeigt einen netten Dialog, der mit ermöglicht, ein Skin auszuwählen (Warum eigentlich? Ich habe keine Skins mitinstalliert), Dateiverknüpfungen zu ändern sowie die Entscheidung zu treffen, ob ich anonyme Nutzungsstatistiken verschicken möchte.

Das Lustige kam danach: Nachdem ich mich durch den Dialog gekämpft habe, wollte Winamp Administratorrechte (UAC und so). Zweimal! Und jedesmal, wenn man Winamp startet fragt er noch einmal nach (stört sich aber netterweise nicht daran, wenn man es ihm verwehrt). Ich frage mich allerdings, warum. Weder Dateiverknüpfungen noch irgendwas anderes, was ich in den Optionen gefunden hätte, erfordert Administratorrechte. Nichts. Dem Gebettel nachzugeben und es einfach zu erlauben, ändert auch nichts (anders als bei Eclipse 3.3, wo man Eclipse einmalig als Admin ausführen mußte, damit es lief). Winamp fragt dennoch fröhlich bei jedem Start weiter nach Adminrechten. se­ufz

Andere Sache: Da ich nur eine Tastatur, eine Maus und einen Monitor habe, muß ich entweder alle naselang Maus und Tastatur umstecken oder aber die Remotedesktop­verbindung nutzen. Momentan mal wieder letzteres. Ich dachte mir, da ich auf dem anderen Rechner eh gerade nicht viel anderes mache als ein paar Widerlichkeiten auf der Kommandozeile und Musik hören, brauche ich nicht ganz so viele Farben und hab die RDP-Verbindung einfach mal auf 8 Bit runtergestellt.

Das mochte Winamp nicht so wirklich. Das war quasi gleich der Schocktod beim entsetzten Anblick von nur 256 Farben oder so. Ich frage mich zwar, ob die Musik so farbenfroh ist, daß ihm das nicht reicht, aber er starb sehr schön reproduzierbar gleich beim Starten. Ich ash den UAC-Dialog und im Hintergrund dann gleich das Windows Error Reporting. Unschön. Bei höheren Farbtiefen ging es dann wieder.

Randnotiz: Die Medienbibliothek von Winamp ist (zumindest für mich) deutlich verwirrender als die vom Windows Media Player und irgendwie auch nicht sonderlich viel schneller. Ich werd Winamp also möglicherweise wieder wegtun.

UPDATE (2008–09–04 18:24): Die Sache mit UAC ist behoben. Es gibt eine gut versteckte Option „Restore file associations at Winamp start-up“, die dafür verantwortlich war. Nimmt man das Häkchen weg, so verschwindet die Nachfrage beim Start. Trotzdem, Dateiverknüpfungen ändern ist etwas, was auch ohne Adminrechte geht.

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